Kortina

KORTINA Verlag  

Ottlik: Die Weiterlebenden

Mobbing damals

Géza Ottlik: 

Die Weiterlebenden

(Továbbélők)

Deutsch von Éva Zádor
Kortina Verlag

206 S.,Klappenbroschur

€ 10,- (D) / € 10,30 (A)
ISBN 9638626976


Eine Militärschule an der ungarisch-österreichischen Grenze, 1923. Zöglinge im Alter von 10-14 Jahren werden hier unterrichtet und zum Militärleben trainiert. Opportunismus, Mitläufertum und Einschüchterungen bestimmen den Alltag der Jungen. Einige aggressive Mitschüler unterdrücken die Anderen, die Beziehungen untereinander sind von einem weitgehenden Mangel an Autonomie und Solidarität geprägt. Der Einzelne fühlt sich auf sich alleine gestellt. Dennoch versuchen die Kinder, die innere Unabhängigkeit zu bewahren.

Ottlik hat die gruppendynamischen Mechanismen im Kräftefeld einer Militärschule erfaßt, die Bündnisse und Machtkämpfe, die Rolle des Mitläufers, die Leiden der Eingeschüchterten und der ewigen Opfer.


Das Buch erzählt die Geschichte des Jungen Damjáni, der aus der behüteten Umgebung seiner Familie herausgerissen wird und in die Militärschule kommt. Er muss sich hier in ein Umfeld einfügen, in dem er sich nur auf sich selbst verlassen kann, wo ihn niemand beschützt und er sich auf niemanden stützen kann.

Autor

Géza Ottlik (1912-1990) war einer der bedeutendsten ungarischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er besuchte ab 1923 die Militärschule in Kőszeg (Güns). Ottlik wollte den Roman Die Weiterlebenden bereits 1949 veröffentlichen, zog dann aber sein Werk wieder zurück. Sein bekanntester Roman Schule an der Grenze, in dem er die Jahre in der Militärschule aus der Sicht erwachsener Männer darstellt, erschien 1959. In diesen wurden zahlreiche Motive und Hauptpersonen aus dem unveröffentlichten Werk übernommen. Das Buch Die Weiterlebenden erschien erst 1999, nach dem Tod seines Autors.
Anfang der 80er Jahre schrieb Péter Esterházy Ottliks Hauptwerk Schule an der Grenze auf ein A3-formatiges Zeichenblatt ab, d. h. er kopierte sämtliche Sätze in einer Arbeit von drei Monaten auf- und übereinander. „Dabei habe ich nur gedacht, dass er ein großer Schriftsteller ist, den ich sehr schätze.” Das so entstandene Bild überreichte er dem bewunderten Schriftstellerkollegen zum 70. Geburtstag.


Lesermeinungen


Jene, die auch nur eine Minute in die Schule gegangen sind (das heißt alle), und zumindest mit einem Mitschüler in Berührung gekommen sind, vor dem sie Angst hatten, werden sofort vertraute Luft einatmen, wenn sie das Buch aufmachen.


Interessant ist, daß die Schüler den möglichen Ausstieg ins zivile Leben eher als eine Kapitulation ansehen, als eine Befreiung. So entsteht ein eigenartiges Heimatgefühl für das verhaßte Institut, wofür es eigentlich gar kein Heimatgefühl geben kann.

Diese schizophrene Dauersituation, die stets mitklingt, ist dem Autoren sehr gut darzulegen gelungen.


Dadurch, daß die Erzählwelt sehr überschaulich ist, versteht es der Ottlik, seine Spannungsbögen wie aus dem Nichts aufzubauen und wieder abklingen zu lassen. Die zeitlichen Sprünge verstärken diesen Effekt zusätzlich. Das Ende ist dann doch sehr überraschend trotz der gleichbleibend ruhigen Erzählweise.  

Das Buch erweckt Erinnerungen an die eigene Schulzeit und hat  eine ähnliche Durchschlagskraft wie Die Verwirrungen des Zöglings Törleß  von Robert Musil.



 

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