Kortina

KORTINA Verlag  


Jónás: Als ich noch Zigeuner war

VOLLER TALENT!

Tamás Jónás: 

Als ich noch Zigeuner war

( Cigányidők és más elbeszélések)

Deutsch von Clemens Prinz
Kortina Verlag

220 Seiten, Klappenbroschur

€ 10,- (D) / € 10,30 (A)
ISBN 96386269 6 8


Das Schicksal einer Roma-Familie in Ungarn in den siebziger Jahren, ergreifend und autobiografisch erzählt von einem der größten jungen Talente der heutigen ungarischen Literatur.                                          

Tamás Jónás will erzählen, jedoch kein Mitleid, keine Moral, keine Konsequenz irgendwelcher Art erzeugen. Er liebt das blosse Erzählen.“                                         Die Berliner Literaturkritik


Da sich die Eltern verschuldet hatten, wurden die Kinder der Jónás-Familie in verschiedene Kinderheime gebracht. Tamás war ein Zeitlang bei Pflegeeltern, die ihn prügelten und ihm nicht genug zum Essen gaben, bis auch sie in Gefängnis landeten. Wieder ins Kinderheim, schließlich wieder nach Hause, aber „nichts war wie früher”. Da war er sechs.

„Diese Erfahrung hat mich geprägt. Seitdem weiß ich, dass ich mich nur auf mich verlassen kann.” Neben den bitteren Erinnerungen und der Sehnsucht nach der Familie, nach seiner Schwester Mari, sprudeln in seinen Erzählungen die Geschichten und Beobachtungen aus seinem Zigeunerumfeld hervor. Die kindlichen Gedanken über die Schwester, über den Bruder, die aus erwachsener Sicht fast schon sarkastisch klingen:
”Zsuzsi war eine Hure. Ein bißchen stolz war ich schon auf sie. Da gehört ja was dazu. Eine Hure in der Familie. Und ich werde Dichter...“
 

Die erste Liebe, die seelischen Schmerzen deswegen, das Gespött mancher Mitschüler, die Angst vor der Verhöhnung durch die Klassenkameraden wegen seines Zigeunerseins beschäftigen ihn immer wieder.

Autor

„Ich bin Thomas, ich bin Jona, ich bin Zigeuner … Ich bin provokativ, mein Gesicht ist rund, meine Haare sind schwarz, ich bin leidenschaftlich, ich neige zum Nervenzusammenbruch, zum Eigennutz, zur Verbitterung. Ich bin ehrlich, auf schmerzhafte Art, wie die grell strahlende Sonne ...”
                                                                         Tamás Jónás


Tamás Jónás 1973 in Ózd geboren, lebt in Budapest. Mit dem Prosawerk Zigeunerzeiten gewann er einen ungarischen Literaturwettbewerb und schaffte es beim Internationalen Romaliteraturbewerb „Thèm Romano” auf das Siegerpodest. Für seine Gedichte wurde er mit dem Artisjus- Arany-János-Preis ausgezeichnet. 2002 einjähriges Herder-Stipendium in Wien, als begabter Nachwuchsautor, vorgeschlagen von Péter Esterházy.
Mit 22 schrieb er die autobiographischen Erzählungen in Teil I. dieses Bandes. Sie führen zurück in seine Kindheit. Die Erinnerungen an Leid und Freuden, kindliche Naivität, an die mitgehörten Geschichten der Erwachsenen schildert er meist sachlich, zuweilen verbittert und mitunter mit Ironie.
Die Helden seiner fiktiven Erzählungen (Teil II.) leben im dörflichen Zigeunerviertel. Sie sind direkt, ungebunden, leidenschaftlich und neigen zugleich zur Heftigkeit, sogar zur Unerbittlichkeit. Der zurückhaltende, nüchterne Stil, die teils balladenhafte Sprache des Autors machen diese Geschichten ausdrucksvoll und lebendig.


„Tamás Jónás ist voller Geschichten über die Armut, das Ausgeliefertsein, über Schmerz, Liebe, über den Körper, über Reichtum, Glück und da capo: über die Armut, er ist voller Geschichten und voller Talent.”
                                                                    Péter Esterházy


 Lesermeinung 

„Dieses Buch ist ein Hohelied auf die Menschlichkeit - erschütternd in seiner Tragik, befreiend aufmunternd in seiner Komik. Im ersten Teil wird der Leser Zeuge traumatischer Kindheitserlebnisse. Hier wird eine Kindheit beschrieben, die von bitterer Armut geprägt ist, von Angst in vielfältiger Form, aber auch von Lebensfreude und einem unbeugsamen Überlebenswillen.
Ein breiter Erlebnisreigen fesselt den Leser und läßt ihn nachdenklich zurück. Die Erzählungen im zweiten Teil des Buches haben mir sehr gut gefallen. Manchmal kommen sie leicht, wie ein Märchen aus alter Zeit daher (siehe "Frauenmord bei der alten Darócer Mühle"); umso schwerer legt sich dann das Geschehen auf die Seele des Lesers.
                    

Spannend und fesselnd lesen sich die Erzählungen. Man möchte MEHR davon. Anschließend möchte ich sagen, dass es unmöglich ist, von diesem Buch nicht berührt zu sein.“ 


Auch wenn es traurige Realität zeigt, ist es dem Autor gut gelungen sie wiederzugeben. Die Verknüpfung von Biographie und Roman ist besonders gut gelungen.
                    

Dieses Buch ist mit meinem letzten Bucherlebnis, nämlich mit Die Asche meiner Mutter von  Frank McCourt vergleichbar.



 

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